
Gemütlichkeit ohne Ablenkung
Über die Kunst, den Abend im Kerzenschein zu genießen – ohne Handy, TV und Dauerbeschallung
Wenn der Tag vollgestopft war mit To-Do´s und Terminen und die Gedanken immernoch kreisen, greifen viele von uns in kurzen Pausen automatisch zum Handy. Scrollen, Reels, Nachrichten – irgendetwas, das kurz betäubt, aber gleichzeitig ganz schön auslaugt. Wir merken erst später, dass wir eigentlich müder geworden sind statt ruhiger. Dabei kann ein Abend ohne Ablenkung entspannender wirken als ein ganzes Wochenende voll mit Entertainment.
Stille und Offline-Zeit ist auch mit Familie möglich ist
Viele denken: „Ohne Handy und Ablenkung – schön wär’s. Aber ich hab Kinder, Partner, Haushalt… da ist nichts mit Stille.“
Doch genau da wird es interessant: Offline-Zeit muss kein einsames Ritual sein. Sie kann ein gemeinsamer Abend werden, der Nähe schafft statt Geräuschkulisse. Überhaupt nicht perfekt geplant oder gar „pädagogisch wertvoll“. Einfach ganz normales Beisammensein.
Manchmal spiele ich abends mit meinem Kind ein Brettspiel – nichts Großes, oft nur ein „Mensch-ärgere-dich-nicht“ oder Memory. Die Handys bleiben im anderen Zimmer. Und dabei entsteht diese Art von Gelassenheit und Freude, die man beim gemeinsamen Serien suchten nicht hat.
Auch Vorlesen kann so ein Moment sein. Ein Kapitel aus spannendem Kinderbuch, ein paar Seiten aus einem Roman, ein kurzer Abschnitt aus einem inspirierenden Buch – es ist erstaunlich, wie schnell man dabei runterfährt. Vorlesen zwingt dich, präsent zu sein. Es geht nicht um Perfektion, sondern darum, dass deine Aufmerksamkeit einmal nicht geteilt ist.
Mit dem Partner kann es ähnlich sein. Ein Tee, zwei Kerzen, ein Gespräch über das, was der Tag so mit sich gebracht hat. Manchmal reicht auch nur: „Wie war die Arbeit heute?“ Keine tiefsinnige Sitzung – nur ein ehrlicher Moment.
Oder ihr sitzt zusammen am Tisch, jeder mit etwas Eigenem:
– du mit einem Skizzenbuch
– dein Kind malt daneben
– dein Partner liest
Alle im selben Raum, ohne Bildschirm, ohne Dauergeräusche.
Das ist eine Art „Stille“, die keiner erzwingen muss – sie entsteht, weil niemand abgelenkt wird. Offline-Zeit bedeutet nicht Rückzug von der Familie, sondern Rückkehr zu ihr.
Warum uns Stille so schwerfällt – und gleichzeitig so gut tut
Wir sind daran gewöhnt, ständig bespielt zu werden. Geräusche, Informationen, kleine Reize. Unser Gehirn springt darauf an wie auf Zucker. Trotzdem ist es die Stille, die unsere innere Spannung wirklich abbaut. (In diesem früheren Blogbeitrag habe ich darüber geschrieben.) Ohne Ablenkung wirst du spürbar langsamer. Die Atmung beruhigt sich. Die Gedanken ordnen sich. Und du merkst plötzlich, wie gut es dir tut, einfach dazusitzen – ohne permanent auf etwas zu reagieren.
Abende, die dir gehören
Ein paar Ideen, die du ausprobieren kannst:
- Kerzenritual
Zünde ein Teelicht an und nimm dir vor: Solange sie brennt, bleibe ich offline. - Lesen ohne Ziel
Nimm ein Buch, das du gerne magst. Nicht unbedingt ein Fachbuch, sondern etwas, was du gerne hast. Lies so viel oder so wenig, wie du möchtest. - Skizzenbuch-Abende
Ein paar Linien, kleine Zeichnungen, Farbflecken – völlig egal, ob „schön“. Der Punkt ist: Du kommst bei dir an. - Ein kleiner Gebetsmoment
Es muss kein langer Text sein. Vielleicht ein kurzer Satz wie: „Danke für den heutigen Tag. Mach mein Herz ruhig.“ Und dann einfach sitzen.
Ein geistlicher Blick
Wenn wir alles ausblenden, was uns ablenkt, merken wir erst, wie laut die Welt eigentlich ist. In der Bibel taucht Stille immer wieder als Ort der Begegnung auf. „Seid still und erkennt, dass ich Gott bin“ (Psalm 46,11) ist kein Befehl, sondern eine Einladung. Ein Raum, in dem wir durchatmen dürfen.
Ein Abend bei Kerzenschein ist so ein Raum. Einfach, warm, unaufdringlich – und meistens genau das, was wir vergessen haben.
Ein Satz für den Abend
„Ich muss nicht erreichbar sein, um da zu sein.“
